Mein Leben unter der Nazi - Herrschaft
1933 warteten wir Bundmitglieder vergeblich auf ein Signal zum Widerstand gegen die Nazis. Nach ihrer Machtübernahme wurde der Bund sofort verboten. Die prominenten Mitglieder emigrierten. Und wir jüngeren, die zurückbleiben mussten, verloren die Verbindung, weil unser jetziger Leiter, Hans Schwalm (der sich später Jan Petersen nannte), sicherheitshalber die Mitgliederliste vernichtet hatte. Viele von uns kamen zur Bücherverbrennung auf dem Opernplatz, um Zeugen dieses barbarischen Verbrechens zu werden, aber auch in der sich bestätigenden Hoffnung, wieder miteinander in Kontakt zu kommen. Ich bin die letzte, noch lebende Zeugin unseres damaligen, nun in die Illegalität gehenden Schriftstellerbundes, die die Bücherverbrennung noch miterlebt hat. Ich schrieb Beiträge u.a. für die in Prag erscheinenden „Neuen Deutschen Blätter“, unter dem Pseudonym „Elke Klent“ und arbeitete dafür auch als Kurierin zwischen Berlin und Prag. Dort konnte ich auch meinen damaligen jüdischen Freund Heinz Pol treffen, der Chefredakteur von „Neue Montagszeitung“ gewesen war. Er emigrierte dann in die U.S.A.. Wir haben uns nie wiedergesehen, aber nach 1945 noch lange korrespondiert.
Auf Anraten des Schriftstellers Johannes R. Becher, der uns vom Ausland aus anleitete, sollten wir in Deutschland Zurückgebliebenen versuchen, neben unseren illegalen Texten, „unpolitische Bücher“ bei Verlagen und Zeitschriften zu publizieren, die nicht faschistisch ausgerichtet waren. 1934 konnte ich erstmals einen Roman veröffentlichen: „Und außerdem ist Sommer“. Es war eine harmlose Liebesgeschichte, die aber doch im Milieu meines Freundeskreises spielte, der sich in der Umgebung Berlins traf.
1935 wurde ich – wie auch die anderen Bundmitglieder – wegen Verdacht auf Hochverrat verhaftet, weil uns ein Spitzel denunziert hatte. Ich saß etwa ein halbes Jahr in „Schutzhaft“. Weil der Spitzel mich nur einmal gesehen hatte, konnte ich behaupten, nur mehr oder weniger zufällig an einem Treffen des Bundes teilgenommen zu haben. Um meine Harmlosigkeit zu beweisen, schrieb ich im Gefängnis, unter den Augen der Gestapo, erneut einen „harmlosen“ Liebesroman. Er hieß „Junges Herz muss wandern“. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die heiraten will und gegenüber ihrem künftigen Mann darauf besteht, weiter berufstätig zu bleiben - was dem von den Nazis verbreiteten Frauenbild widersprach.
1938 erschien erstaunlicherweise dann noch mein Roman „ Auf schmalem Land“, in dessen Mittelpunkt ein Frauenschicksal und der harte Existenzkampf der Fischer auf der Kurischen Nehrung stand. Als 1934 arbeits- und mittellos war, bin ich dort, mit einem Reportageauftrag hingefahren, über eine Segel - Fliegerschule zu schreiben. Schnell merkte ich, dass die Piloten schon für den Krieg ausgebildet wurden, und wollte diese Reportage nicht mehr schreiben und habe mich lieber bei den Fischern in der Umgebung umgesehen. Der Roman entstand vor und nach meiner Haftzeit. Je näher der Krieg kam, um so schwieriger war es, Texte bei Verlagen oder in Zeitschriften unterzubringen, die frei von Naziideologie waren. Ich konnte dann nicht mehr publizieren. Das Buch „Auf schmalem Land` hatte ich fast vergessen. Im Frühjahr 2009 ist es zu meiner großen Freude wieder aufgelegt worden.
1942 wurde unsere Tochter Christiane geboren, die später als Dolmetscherin vor allem für Spanisch arbeitete und auch schriftstellerisch tätig war. U.a. verfasste sie eine Biographie über die berühmte Fotografin Tina Modotti.
Nach der Geburt von Christiane lebte ich wegen der Bombenangriffe auf Berlin bis zum Kriegsende mit Mann und Kind in Egeln in der Magdeburger Börde und in Holstein, wo meine Schwiegereltern Gutshöfe gepachtet hatten bzw. besaßen. In Egeln erlebte ich auch die Befreiung durch die Amerikaner, später die Besetzung durch die Engländer und dann durch die Rote Armee. Episoden aus dieser Zeit habe ich in meiner Autobiographie s.u. ausführlich beschrieben.





