Meine Jugend
Nach der Schule arbeitete ich zunächst, teils in prekären Jobs, als Büroangestellte, als Kontoristin und schließlich als Redaktionssekretärin bei der „Filmtechnik und Filmkunst“, einer seriösen Filmzeitschrift der Gewerkschaft der Filmleute. Ab 1926, also mit 16 Jahren hatte ich bereits begonnen, für Berliner Zeitungen meine ersten kurzen Berlin–Reportagen, Kurzgeschichten und Feuilletons zu schreiben, ab 1930 auch für große liberale Tageszeitungen, wie das „Berliner Tageblatt“, die „Frankfurter Zeitung“ und die „Vossische“.
Wie mir das mit der Veröffentlichung meiner Geschichte „Über Sonntag“ beim „Berliner Tageblatt“ schließlich gelang, erzähle ich in einem kurzen Filmausschnitt auf dieser Web- Seite. Diese und weitere Feuilletons und Reportagen aus 7 Jahrzehnten erschienen wieder 2003 in meinem Buch „Zeitbesichtigungen“.
Die Weltwirtschaftskrise, die Armut in meiner Familie und meiner unmittelbaren Berliner Umgebung politisierte mich erheblich. Und als ein Freund mich mit in die Friedrich Wilhelm Universität, der heutigen Humboldt-Uni mitnahm, in der Albert Einstein gerade eine Vorlesung über seine Relativitätstheorie hielt, von der ich natürlich nichts verstand, drückte mir Martin ein Aufnahmeformular der KPD in die Hand und ich wurde dort 1930 Mitglied.
Durch meinen Freundeskreis kam ich auch 1932 zum „Bund proletarisch – revolutionärer Schriftsteller“, den Johannes R. Becher leitete und zu dem auch Anna Seghers gehörte. Wir lasen uns dort gegenseitig unsere literarischen Arbeiten vor und man kritisierte mich heftig, weil ich angeblich nur die „Sonntage des Lebens“ und nicht den „Alltag“ beschrieben hätte. Die Kritik stürzte mich zunächst in eine tiefe Krise und Schreibblockade. Aber dann machte ich mich daran, meinen ersten Roman zu schreiben, in dem ich das schwierige Alltagsleben und den Existenzkampf meiner Eltern, das Leben meines jüngeren Bruders, mein eigenes Leben und das meines Freundes literarisch gestaltete. Dieser erste Roman, der den wirtschaftlichen Niedergang jener Handwerkerfamilie am Ende der Weimarer Republik schilderte, konnte wegen der Machtergreifung Hitlers nicht mehr erscheinen und wurde erst 1970 unter dem Titel „Kleine Leute“ veröffentlicht. Seit dieser Zeit veröffentlichte ich vor allem in der proletarischen Münzenberg-Presse wie die „Rote Post“, „Berlin am Morgen“, „Welt am Abend“ und in „Neue Montagszeitung“..

