Meine Kindheit und mein Elternhaus

Elfriede mit Mutter Elisabeth

Ich wurde am 8. November 1910 in  Berlin geboren. Meine Kindheit verbrachte ich im Kitz, rund um die Stargarder Straße in Berlin-Prenzlauerberg. Meine Mutter Elisabeth, geborene Lorenz, stammte aus Prenzlau. Sie hatte fünfzehn Geschwister, von denen nur die vier ältesten am Leben blieben. Ihr Vater war Schuster und besaß auch ein Karussell. Mit vierzehn Jahren musste meine Mutter, nach dem Tod ihrer Mutter, „ in Stellung“ gehen, landete schließlich in Berlin, um als Näherin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 

Elfriedes Vater Gustav

Dort lernte sie auch meinen Vater kennen, heiratete ihn und bestand darauf, dass er eine Tischlerschule abschloss. In meiner Autobiographie, aus der ich hier hin und wieder zitiere, schrieb ich, dass sie  “eine fünfundvierzig Jahre währende Ehe miteinander“ führten, “die im landläufigen Sinne glücklich zu nennen war. Im Allgemeinen unterwarf sich mein Vater den Weisungen meiner unternehmungslustigen und vitalen Mutter, denn er wusste, dass er nicht schlecht dabei fuhr.“ Mein Vater Gustav Brüning hatte noch acht Geschwister, stammte aus dem Dorf Göritz an der Oder und war auf der „Walze“ nach Berlin gekommen. 1918 war er selbständiger Tischler geworden, musste aber in der Weltwirtschaftskrise sein Gewerbe abmelden und, wie Millionen anderer auch, stempeln gehen.

1915 wurde mein Bruder Wolfgang geboren, der später, durch Leni Riefenstahl protegiert,  als Cutter beim Film arbeitete. Leider haben wir uns, aufgrund seiner Annäherung an die Nazis, entfremdet.

Elfriede mit Bruder Wolfgang

Meine couragierte Mutter, die sehr gerne las und auch meinem Vater und mir sehr viel vorlas, später sogar zeitweilig eine kleine private Leihbibliothek in unserer Ladenwohnung im Wedding  betrieb, sorgte dafür, dass ich von 1916 bis 1926 zehn Jahre zur Schule ging und schließlich im Königsstädtischen Oberlyzeum bis zur Obersekundareife kam. Als ich nach dem „Einjährigen“ abgehen musste, um Geld zu verdienen, fragte die Lehrerin, was wir denn werden wollten und da  „gestand ich ihr errötend meinen geheimsten Wunsch: ich wollte für mein Leben gern für Zeitungen schreiben, wollte Journalistin werden! Meine Klassengefährtinnen, die angehenden Friseusen, Stenotypistinnen oder Schneiderinnen, lachten, und auch um den Mund unserer Lehrerin zuckte es. >>Ja, warum nicht gar Schriftstellerin?>> spottete sie, und sie fragte: >>Hast du denn schon ein Pseudonym?<< ... doch das scherte mich wenig: um so hartnäckiger verteidigte ich meinen Wunsch.“