Meine Nachkriegsjahre

1945 kehrte ich mit dem ersten Lastwagen, der nach Berlin fuhr, zunächst allein in meine vollständig zertrümmerte Heimatstadt zurück. Ich wollte dringend nach meinen Eltern sehen, so rasch wie möglich für den Lebensunterhalt meiner Familie sorgen und vor allem wieder schriftstellerisch tätig sein. Ich arbeitete als Redakteurin für die neu gegründete Kulturbundzeitung „ Sonntag“, als Reporterin für die „Neue Gesellschaft“, die „Neue Heimat“ und das Wochenblatt „Deutschlands Stimme“ und veröffentlichte dort viele Reportagen, die das schwere Leben im Nachkriegsdeutschland behandelten, u.a. schrieb ich auch über zahlreiche Probleme der Flüchtlinge. 

Bereits 1945 gründeten die aus der inneren Emigration hervortretenden alten Mitglieder des „Bundes proletarisch - revolutionärer Schriftsteller“ einen „Verein Sozialistischer Schriftsteller“. Der von Becher geleitete Kulturbund hatte aber kein Interesse am Wiederaufleben des alten Bundes, der jetzt des linksradikalen  „Proletkultes“  bezichtigt wurde. Wir gingen also im Kulturbund und später dann im Schriftstellerverband der DDR auf.

Spannungen zwischen den Schriftstellern der sogenannten „äußeren“ und der „inneren Emigration“ hielten lange Zeit an, u. a., vor allem, weil uns von Seiten der  aus der Sowjetunion zurück gekehrten Emigranten und Kulturfunktionäre und nicht zuletzt von der sowjetischen Besatzungsmacht teilweise mit Mißtrauen begegnet wurde. Darüber gibt es Briefe, die in meinem 2008 erschienenen Korrespondenzband „ Ich musste einfach schreiben unbedingt“ abgedruckt sind.

Elfriede mit Christiane

Im Zuge der Vereinigung von KPD und SPD wurde ich 1946 Mitglied der SED. Ich hoffte, am Aufbau eines neuen antifaschistischen und sozialistischen Deutschlands mitzuwirken. Wie schwierig und z.T. enttäuschend sich die Verwirklichung meiner Jugendideale erweisen sollte, hat sich in manchen meiner späteren Bücher deutlich niedergeschlagen, die in den folgenden Jahrzehnten in der SBZ, der DDR und nach 1989 im vereinigten Deutschland erschienen sind. In dieser kurzen Lebensbeschreibung will ich die Titel aufzählen, da  sie die entscheidenden Etappen meines weiteren Lebens markieren. Die Abbildung der Einbände dieser Bücher und kurze Inhaltsangaben finden Sie unter dem „Link“ „Meine Bücher und Buchkritiken“.

Elfriede als Reporterin, 1929

1947 wurde die Ehe mit meinem Mann geschieden. Wir hatten uns auseinandergelebt, auch in politischer Hinsicht. Lange noch musste ich um das Sorgerecht für unsere Tochter Christiane bangen. Joachim Barkhausen lebte in Westberlin und hatte dort juristische Möglichkeiten, das Sorgerecht zu erstreiten, weil unsere Tochter bei ihm aus wirtschaftlichen und politischen Gründen angeblich besser aufgehoben war. Erst durch die Gründung der DDR und ihre Familiengesetzgebung erhielt ich endlich das ausschließliche Sorgerecht.

1949 erschienen meine Nachkriegsnovellen „Die Umkehr. Das ist Agnes“,  sowie mein später vielfach wieder aufgelegter Erfolgsroman „ . . . damit du weiterlebst“. Er handelt vom  Schicksal der hingerichteten Antifaschisten Hans und Hilde Coppi. Hilde blieb so lange vom Schafott verschont, wie sie ihren im Gefängnis geborenen Sohn stillen konnte.