Lästige Zeugen?

Authentische Erzählungen von Frauen, die in sowjetischen Straflagern überlebten.

Lästige Zeugen?  Tonbandgespräche mit weiblichen Opfern der Stalinzeit, die  viele Jahre ihres Lebens Zwangsarbeit im Gulag leisten mußten. Halle 1990. Dieses Buch, z.T. auf der Basis von Tonbandprotokollen, habe ich Jahre vor dem Ende der DDR begonnen, es konnte aber erst danach erscheinen. In meinem Vorwort schrieb ich im Dezember 1989 u.a.:„Die Betroffenen aber, die nach ihrer Befreiung bei uns lebten, sind keine Antikommunisten. Mit einigen habe ich gesprochen. Ihre Liebe gehört nach wie vor der Sowjetunion, den sowjetischen Menschen, denen sie oft sogar ihr Überleben verdanken. So hat die Erinnerung an die Lichtpunkte menschlicher Hilfsbereitschaft, von denen sie alle erzählen, allmählich die düsteren Ereignisse aus ihrem Gedächtnis verdrängt, und es wird ihnen immer schwerer darüber zu sprechen. Auch wurden sie allzu lange zum Schweigen – zum Verschweigen – angehalten . . . Daher ist es an der Zeit auch für uns, jenen Männer und Frauen zu Wort kommen zu lassen, die Opfer der Stalinzeit wurden und denen endlich volle Gerechtigkeit zuteil werden muß.“

Kritik

Elfriede Brünings Verdienst ist es, solche Schicksale festgehalten und öffentlich gemacht zu haben, die sonst dem Vergessen anheimgefallen wären – denn in diesem Buch wird noch einmal daran erinnert, daß alle diese Menschen nach ihrer Rückkehr in die DDR zu strengem Schweigen verpflichtet und die Jahre in den Lagern aus ihren Fragebögen getilgt wurden. Nur so konnte man für viele Uneingeweihte noch lange Jahre ein relativ unbeschädigtes Bild von der Sowjetunion aufrechterhalten. Deshalb wäre ein solches Buch vor dem Herbst 1989 nicht möglich gewesen.“ (Dr. Mariane Krumrey, Berliner  Zeitung, 6.01.91)

Lästige Zeugen