Septemberreise
Mutter und Tochter entfremden sich, weil die Tochter beim Vater im Westen aufwuchs und die Mutter im Osten blieb.
Septemberreise. Halle (Saale) 1974. Das Buch verarbeitet m.E. ein bis heute aktuell gebliebenes Thema: die Entfremdung zwischen Familien, hier speziell zwischen Mutter und Tochter durch die unterschiedlichen Entwicklungswege zwischen Ost und West, im geteilten Deutschland. Eine Mutter aus dem Osten versucht ihrer Tochter, die in München aufgewachsen ist, nach langen Jahren, auf einer Urlaubsreise wieder nahe zu kommen. Doch die Fremdheit läßt sich, trotz Schuldgefühlen auf Seiten der Mutter, nicht mehr überbrücken.
Kritik
„Elfriede Brüning unternimmt in ihrer Geschichte eine >>Septemberreise>> ...wenn sie uns an der gedanklichen Auseinandersetzung einer Frau mittlerer Jahre, mit ihrem unlängst verstorbenen, weitaus älteren Geliebten teilhaben läßt. Nicht nur wegen dieses Mannes hat sie nach 1945 ihre zweijährige Tochter der sich nach dem Westen absetzenden Gutbesitzerfamilie ihres Mannes überlassen. . . auch auf Grund ihrer Herkunft und schwerer Erlebnisse währende der Jahre zwischen 1920 und 1930 sah diese Schweißerin und spätere Pädagogin in der Welt des Sozialismus ihre Heimat. Nun, nach mehr als zwanzig Jahren, könnte es anläßlich ihrer Urlaubsreise in die Balaton- Gegend zu einer Begegnung mit der Tochter kommen. Doch die Frau... verzichtet. Zu fremd ist ihr das oberflächliche, rotblonde Mädchen aus München. Eine böse Fehlentwicklung, an der sich die Mutter voller Bestürzung mitschuldig fühlt.“ (Für Dich, 8/ 74)

